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Schülerfirma, Juniorfirma, Miniunternehmen, Schülerunternehmen

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"Mc School" AG, jetzt: "Coke and School" AG – 21. Mittelschule "Am Zoo" Dresden


Die 21. Mittelschule in Dresden hat den schönen Beinamen "Am Zoo". Sie trägt diesen Namen zu Recht. Sie liegt an der Tiergartenstraße, und wer die Straße entlanggeht, hat die Wahl: soll er nach links zu den Elefanten und Pinguinen abbiegen oder soll er rechts einschwenken, zu Deutsch und Mathe. Es ist der alte Kampf zwischen Neigung und Pflicht. Den Schulkomplex bildet ein weiträumiges Doppel-Gebäude mit großem Lichthof; hier ist neben der Mittelschule (390 Schüler) auch eine Grundschule (120 Schüler) zu Hause. Das Gebäude ist groß, hell und schnörkellos. So hat man 1970 in der DDR gebaut: funktionell, wohldurchdacht und übersichtlich, aber ganz ohne Phantasie. Ohne jedes 'Extra'. Der gleiche Komplex begegnet uns in vielen anderen Städten. Die Schule "Am Zoo" hat sich gegen diese Uniformität zur Wehr gesetzt: Sie hat sich ein paar Accessoirs zugelegt, die ihre Besonderheit betonen: Allerlei künstliches Getier umgibt das Schulhaus. Über dem Eingang hockt ein aus Holz geschnitzter Bär. Im Laufe der Jahre hat er ein paar Risse bekommen.


Sind diese Äußerlichkeiten wichtig für einen Beitrag, der sich mit dem 'Innenleben' der Schule befassen soll? Ich denke schon. Solange wir die Schule besuchen, denken wir über die Ästhetik unserer Lernumwelt wenig nach; sie beschäftigt uns erst, wenn wir die Schule längst hinter uns gelassen haben. Dann aber zeigt sich: Das Gedächtnis hat alles 'gespeichert'! Das Gebäude, die Klassenräume, die Turnhalle, ja selbst die Toiletten haben einen festen Platz in unserer Erinnerung.


Zum Innenleben der 21. Dresdner Mittelschule gehört seit dem 16. Mai 1995 die Schüler-Aktiengesellschaft "Mc School". Ein Unternehmen von Schülern für Schüler, mitten in der Schule. Die Tür ist unverschlossen. Wir treten ein.


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"Mc School" kümmert sich um das leibliche Wohl seiner Kunden. Das Anliegen der AG ist die Schülerversorgung, und § 2 der "Satzung" lautet:


Gegenstand des Unternehmens ist der Verkauf von Speisen und Getränken innerhalb der Schule.


Das ist knapp, sachlich und unmißverständlich. In einem Faltblatt wird diese Information 'mundgerecht' ergänzt:


Was macht Mc School?
Mc School bietet allen Schülern ein vielseitiges Imbißangebot
Mc School kümmert sich um eine niveauvolle Pausenversorgung
Mc School ist Schülertreff


Interessanterweise stellt das Werbeblatt neben die erste und zweite Auskunft, wieder durch eine rhetorische Frage eingeleitet:


Was will Mc School?
Mc School will Schülern einen Einblick in einfache Wirtschaftsabläufe geben
Mc School will den mitarbeitenden Schülern eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung geben


In dieser Gegenüberstellung von dem, was die Firma macht, und dem, was sie damit erreichen will, scheinen mir Sinn und Zweck des Modellversuchs präzise erfaßt. Jedes der fünf Unternehmen hat seinen spezifischen Gegenstand, den die Schüler nach ihren Bedürfnissen und Interessen gewählt haben. Hier gilt (durchaus marktwirtschaftlich orientiert): Wer eine Firma gründet, muß sich auf die potentiellen Kunden einstellen, sonst ist alle Anstrengung verlorne Liebesmüh. - Aber hinter jedem der fünf Unternehmen steht außerdem eine pädagogische Absicht, die die Firmengründung erst legitimiert: Die Jüngstunternehmer sollen Einblick in Wirtschaftsabläufe gewinnen (das heißt auch: die dafür nötigen Fähigkeiten entwickeln), und sie sollen ein Freizeitangebot bekommen, das ihnen Spaß macht. Ginge es nur um Pausenversorgung, bei der die Beteiligten 'Ne Mark machen", dann wäre die Schule dafür der falsche Ort. Ginge es andererseits nur um die Vermittlung betriebswirtschaftlicher Grundkenntnisse, dann ließen sich aus Sicht der Schule wohl effektivere Verfahren finden – und die Schüler verlören rasch das Interesse: Angebote, die sich als Fortsetzung des Unterrichts mit anderen Mitteln entpuppen, sind wenig beliebt ... Erst die Verbindung beider Aspekte gewährleistet, daß bei den Beteiligten eine Motivation für den Erwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten entsteht: Und das ist in der gegenwärtigen Situation der Schule - vor allem der Mittelschule! - der entscheidende Ansatzpunkt.


Die Gründung einer Firma beginnt lange, bevor sie an die Öffentlichkeit tritt. Das galt auch für "Mc School". Zuerst mußte ein Raum gefunden werden, der nicht nur den Wünschen der jungen Unternehmer, sondern auch den strengen Auflagen der Feuerwehr, der Hygieneinspektion und der Schulverwaltung entsprach (ein Beispiel: 10 Schüler mußten sich einer ärztlichen Untersuchung stellen, um den geforderten Gesundheitspaß zu bekommen). Mit tatkräftiger Unterstützung des Schulleiters, Reinhard Haase, wurde im hellen, geräumigen Souterrain der Schule ein geeigneter Platz ausfindig gemacht. Hier wurde ein Kiosk errichtet; nach umfänglichen Maurer- und Malerarbeiten entstand aus dem Platz davor ein abgeteilter Bereich, in dem man sitzen und essen und trinken und reden kann. Wohlgemerkt: Das ist kein geschlossenes 'Lokal' mit zugeklinkter Kneipentür. Man kommt und geht. Die 'Osmose' mit den angrenzenden Gängen und Treppen ist ständig gegeben. Die kommunikative Funktion des neuentstandenen Treffpunkts ist für jeden Besucher offenkundig.


Der Kiosk wurde am 25. Oktober 1995 eröffnet: in feierlicher Form, wie es sich für eine aufstrebende Firma gehört! Frau Kunde vom Oberschulamt war gekommen, und Dorit Fleischer, die Geschäftsführerin, hielt eine Begrüßungsrede, in der sie allen dankte, die mitgeholfen hatten. Diese Rede dokumentiert freilich auch, wie steinig die bis dahin zurückgelegte Wegstrecke war. Was im Rückblick mit wenigen Sätzen erzählt ist, war für "Mc School" eine Bewährungsprobe über mehrere Monate.


Zunächst mußten wir uns bei vielen Einrichtungen verschiedene Genehmigungen einholen, aber nicht alle Ämter gaben uns gleich die Erlaubnis und wollten uns bei unserem Vorhaben unterstützen. Mit dem Bau des Kiosks konnten wir erst beginnen, nachdem der Kampf mit den Behörden überstanden war. Als erstes mußte Material beschafft werden. Frau Gläser und die 10c besorgte die Steine. Vermauert wurden die Steine von Herrn Heinrich und René King. Herr Geitel übernahm die Putzarbeiten, und Herr Böhme kümmerte sich um die Elektrik. Kleine Arbeiten führten die Schüler im Technikunterricht durch. (...) Da die Arbeiten länger dauerten als geplant, wurden die Schüler immer ungeduldiger, und die Erwartungshaltung immer größer. Deshalb beschlossen wir, provisorisch zu eröffnen. Wir begannen mit Getränken, Wiener mit Brötchen und kleinen Snacks. Die Schüler gewöhn-ten sich daran, daß mittwochs immer verkauft wurde, und waren enttäuscht, wenn der Verkauf ausblieb. Eine Supergelegenheit war es, als wir uns zum Schul- und Sportfest auch den Eltern präsentieren konnten. Es fand bei jedem guten Anklang und so war auch dementsprechend unser Umsatz.


Ich halte diesen Redeabschnitt für ein bemerkenswertes Dokument. Er würdigt das Interesse und die Unterstützung, auf die die Initiatoren stießen; er widerspiegelt aber auch, mit welchen Widrigkeiten sich junge 'Existenzgründer' herumschlagen müssen. Ein Lehrstück! Übrigens würdigte die "Dresdner Zeitung" das Ereignis in ihrer Ausgabe vom 26. Oktober und brachte einen Beitrag unter dem Titel "Mc School - ein originelles Experiment".


Das klingt wohlwollend - aber auch ein bißchen gönnerhaft. So ganz ernst nimmt man die jungen Leute nicht... Inzwischen gehören "Mc School" und der Kiosk zum Schüleralltag. Am 28. Februar 1996, zum Abschluß des ersten Geschäftsjahres, fand eine gut besuchte Hauptversammlung der Anteilseigner statt, auf der der Rechenschaftsbericht verlesen und die Jahresbilanz vorgelegt wurden. Der Reingewinn beträgt 129.60 Deutsche Mark. Das entspricht einer Eigenkapitalrentabilität von 25.4 % und darf durchaus als Erfolg gelten. Dennoch war die Geschäftsleitung nicht ganz zufrieden. "Im Anfang waren wir einfach zu billig", wurde selbstkritisch festgestellt. Das wurde inzwischen korrigiert. Außerdem will die Firma künftig im Großmarkt einkaufen; damit wächst die Gewinnspanne. Und schließlich sind fürs neue Geschäftsjahr nicht zwei, sondern fünf Verkaufstage pro Woche vorgesehen. "Learning by doing" nennt man das. Scheinbar nebenbei werden Einsichten gesammelt, die kein Unterricht vermitteln kann.


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"Mc School" ist eine Aktiengesellschaft. In § 3 der Satzung ist festgelegt:


Die Gesellschaft gibt Anteilscheine im Nennwert von 5.- DM aus. Die Anteilscheine sind nur im Besitz von Schülern und Lehrern der 21. Mittelschule Dresden erlaubt. Jeder Besitzer eines Anteilscheines ist Teilhaber und entscheidet in der Aktionärsversammlung durch seine Stimmabgabe. Jeder Aktionär hat so viele Stimmen, wie er Aktien besitzt. Aktien können nur an Schüler ab der 5. Klasse verkauft werden. Schüler ab der 7. Klasse können im Projekt mitarbeiten. Schüler dürfen bis zu 3 Aktien, Lehrer bis zu 2 Aktien kaufen.


§ 4 ergänzt:


Aktien können nach Ende des Schuljahres abgegeben werden, spätestens jedoch mit Abschluß der 9. bzw. 10. Klasse. Aktien sind nicht übertragbar!


Es wurden 100 Aktien an etwa 80 Aktionäre ausgegeben. Das Eigenkapital beträgt also 500.- DM. Von ursprünglich 14 Schülern, die sich zur aktiven Mitarbeit bereiterklärt hatten, arbeiteten am Ende des Geschäftsjahres noch 10. Auch die Bedingungen zur Mitarbeit sind in der Satzung geregelt. § 7:


Jeder Aktionär kann sich aller 14 Tage beim Vorstand um eine Stelle in dem Unternehmen MC SCHOOL mündlich bewerben. Die Abstimmung wird entscheiden, ob er angenommen wird oder nicht.


Der/die Bewerber müssen mindestens das 7. Schuljahr besuchen. Wer 2mal unentschuldigt fehlt, bekommt eine Verwarnung. Wer dreimal unentschuldigt fehlt, darf dem Unternehmen ¼ Jahr nicht mitmachen. Die Entschuldigungen sind dem Geschäftsführer zu melden.


Hier (wie in den Satzungen der anderen Unternehmen) fällt auf, daß sich die Schülerfirma streng gegen Bummelei, Desinteresse und Nachlässigkeit zur Wehr setzen. Man nimmt die eigene Arbeit ernst. Wer die Lust an der Mitarbeit verloren hat oder nicht die nötige Disziplin aufbringt, der wird verabschiedet. Das wurde in allen fünf Unternehmen nicht nur angekündigt, sondern auch exekutiert. Die Abteilungsleiter "Personal" sind unerbittlich! Da "Mc School" ein "eigenverantwortlich geführtes Unternehmen" der Schüler ist, wachen sie auch über die Einhaltung ihrer Satzung. Disziplinlosigkeit gegenüber einem Lehrer wird von manchen noch immer als Kavaliersdelikt betrachtet; Nachlässigkeit in der Firma aber ist ein Verstoß gegen eigene Interessen, und da jeder Mitarbeiter eine festumrissene Aufgabe hat, kann sich niemand durchmogeln. Nachsicht aber erfahren die, die ihren Aufgaben (noch) nicht voll gewachsen sind. Nicht alle sind auf der Höhe ihrer Aufgabe, doch 'wer sich Mühe gibt', wird nicht nur toleriert, sondern akzeptiert! Auch das ist ein pädagogischer Effekt, der gleichsam nebenbei entsteht. Die in Sachsen neu etablierte Mittelschule hat die übliche Trennung zwischen Hauptschule und Realschule beseitigt. Sie hat teils gemeinsame Klassen, teils getrennte Real- und Hauptschulklassen. Das war ein mutiger Versuch, der natürlich viele neue Fragen aufwirft, aber ein Grundproblem des bundesdeutschen Schulsystems angeht. Übergänge bleiben möglich, individuelle Bildungsentscheidungen sind korrigierbar und ausbaufähig. - Daß Leistungsunterschiede bestehen und fortbestehen, ist unübersehbar. Die Mittelschulen unternehmen große Anstrengungen, "durch differenzierte Angebote, Lernfreude und Selbständigkeit der Schülerinnen und Schüler zu fördern". Vielleicht können die Schülerfirmen dazu beitragen. - Die Gründergeneration von "Mc School" kam ausschließlich aus Realschulklassen des Wirtschaftsprofils, aber in einigen Unternehmen gibt es Mitarbeiter, die den Hauptschulabschluß anstreben. Im Rahmen einer freiwillig übernommenen Aufgabe entwickeln sie Fähigkeiten, denen der normale Schulalltag wenig Raum bietet. Erst wenn diese Schüler in der Aktionärsversammlung das Wort nehmen sollen, spürt man ihre Hemmungen. In der praktischen Arbeit stehen sie ihren Mann.


Die Wahl der Unternehmensform stand den Schülern frei. Daß sich die Dresdner (und nicht nur die Dresdner!) für die Form der Aktiengesellschaft entschieden haben, hat mich zunächst gewundert. Ist die Aktiengesellschaft nicht die typische Form eines Großunternehmens - ein Großbau, gegen den die Schülerfirma wie ein winziges, Schilfgedecktes Häuschen erscheint? - Ist die Geschäftsstruktur einer Aktiengesellschaft nicht allzu kompliziert: Sie muß drei gewählte Organe haben, deren Aufgaben genau definiert sind. Wer eine Schüler-AG gründet, muß sich also intensiv mit Fragen der Geschäftsführung befassen. Lädt er sich nicht zusätzliche Mühe auf?


Die vorliegenden Erfahrungen lassen den Schluß zu, daß alles, was mir gegen die Schüler-AG einfiel, bei den Beteiligten als ein Argument dafür wirkt: Die Schüler sind vorurteilslos. Die Schere zwischen der wirklichen und der nur simulierten Firma ist für 12- bis 16jährige kein Hinderungsgrund. Im Gegenteil! Wenn sie eine Firma gründen, dann ist ihr Vorbild nicht die kleine GmbH in unmittelbarer Nachbarschaft, sondern das Großunternehmen, dessen Werbung von allen Leuchtreklamen flimmert. - Auch Strukturfragen schrecken nicht ab. Man darf nicht vergessen, daß Mittelschulen eine Spezialisierung nach verschiedenen Bildungsprofilen anbieten. Was der Elterngeneration als suspekt (weil fremd) erscheint, ist den Schülern durch den Unterricht vertraut. Das bisher theoretisch vermittelte Wissen weckt die Lust, es praktisch anzuwenden. Dieter Stöcklein, engagierter Projektleiter der 21. Mittelschule, konnte bereits kurze Zeit nach Gründung von "Mc School" feststellen:


Da die Schüler aus MS Profil Wirtschaft stammen und in der Mehrheit die Klassenstufe 8 und 9 besuchen, waren Vorkenntnisse bei Unternehmensstrukturen und ihr Zusammenwirken bekannt. Es fehlten lediglich die Kenntnisse bezüglich einer Geschäftsführung unter Marktwirtschaftlichen Bedingungen.


Diese Kenntnisse sind inzwischen vorhanden. Sie sind Ergebnis der eigenen Tätigkeit.
Einschub: Das Spielen mit den Formen der Großindustrie berührt einen vieldiskutierten Einwand gegen das Gesamtvorhaben "Education for Enterprise". Er läßt sich in dem Satz zusammenfassen: Kann es Sache der Schule sein, jungen Menschen - unbestritten notwendige! - Einblicke in wirtschaftliche Zusammenhänge aus der Unternehmerperspektive zu vermitteln, ist es richtig, Eigenschaften wie "Eigeninitiative, Kreativität, Teamfähigkeit und Verantwortungsbereitschaft" just am Beispiel des selbständigen Existenzgründers zu trainieren? Die Fragen sind so alt wie das ganze Vorhaben, die besonders in der Bund - Länder - Kommission für Bildungsplanung lang diskutiert wurden. Im Ergebnis einer Studie, die in Polen erarbeitet wurde, wird referiert:


„The main barrier is the ambiguity associated with the terms "enterprise" and "enterprising". Apart from resourcefulness, initiative and organising skills, those terms are still being associated with slyness, careerism und pursuit of material possessions. For instance, it is often said that promoting enterprise among young people is a mistake because it is a negative trend and it trivializes the humanistic ideals of education and upbringing."


Die Diskussion dauert an. Sie wird in Ost und West gleichermaßen geführt. Ihre Argumente - für und wider - sind ernstzunehmen: Kritik an "Education for Enterprise" läßt sich nicht als antikapitalistisches Ressentiment abtun. – Die Geschichte des Projekts lehrt, daß seine Zielrichtung von denen bestimmt wird, die es verwirklichen. Es setzt Möglichkeiten frei; w e l c h e Möglichkeiten das sind, entscheidet der pädagogische Kontext, in das es gestellt ist.


"Erziehung zu Eigeninitiative und Unternehmensgeist" ist bisher kein so klar definiertes Konzept, daß davon einzelne Lernziele und Lernaktivitäten abgeleitet werden könnten",


hat Christian Petry 1991 in Potsdam festgestellt. Das gilt wohl auch heute noch. Auf der Suche nach dem "rechten Ring" legt Lessing in "Nathan der Weise" dem Richter den Satz in den Mund: "Es strebe von euch jeder um die Wette, / Die Kraft des Steins in seinem Ring' an Tag / zu legen!" – ein klügere und noblere Empfehlung gibt es nicht ...


Das sächsische Kultusministerium hat 5 (von etwa 660) Mittelschulen beauftragt, den Modellversuch durchzuführen. Damit wird anerkannt, daß "Education for Enterprise" = Erziehung zu Eigeninitiative und Unternehmensgeist" einen Versuch wert ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


An den ausgewählten fünf sächsischen Mittelschulen sind keine Bedenken gegen den Versuch lautgeworden. Er wird in einer Zeit, die Schüler, Eltern und Lehrer vor neue, unerhörte Aufgaben stellt, als Angebot akzeptiert, das auf die zum Teil gravierenden Erziehungs- und Bildungsprobleme nicht mit 'Maßnahmen', sondern mit einer pädagogischen Herausforderung antwortet. Die Schüler, vor allem die 12- bis 16jährigen, die "Mc School" mit Eifer betreiben, haben keine Schwierigkeiten. Das Wort 'Aktiengesellschaft' schreckt sie nicht. Sie sind unbefangen, vielleicht auch naiv. Ihnen - welch starker Motor! - macht es Spaß. Darin decken sich die sächsischen Erfahrungen mit den Ergebnissen polnischer Umfragen: Auch dort gibt es von Seiten der Schüler ungeteilte Zustimmung.


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Wer je ein Wörtlein Latein gelernt hat, zitiert den Satz: Non scholae, sed vitae discimus! Dem wird niemand widersprechen. Wer freilich beim viel belesenen Georg Büchmann nach der Quelle dieses Ausspruchs forscht, erfährt, daß Lucius Annaeus Seneca ("der Jüngere") den Satz genau umgekehrt geschrieben hat. Er steht am Ende seines 106. Briefes und lautet: Non vitae, sed scholae discimus, was wohl heißen muß: Leider lernen wir nicht für das Leben, sondern für die Schule. Das Problem also ist alt, und die Klage darüber wurde schon vor fast 2000 Jahren laut ... Sagen wir es in einem Satz: Die Schülerfirmen sind e i n Versuch einer zeitgemäßen Antwort auf eine sehr alte Frage.


Das englische 'Enterprise' hat ein breites Bedeutungsspektrum. John Rennie vom Development Centre in Coventry hat nachdrücklich davor gewarnt, es lediglich als Synonym "einer auf Unternehmerinitiative beruhender Marktwirtschaft" zu verstehen.


Der Begriff "Enterprise" hat jedoch offensichtlich einen viel umfassenderen Bedeutungsinhalt und er beinhaltet ein gesellschaftlich zu wichtiges Konzept, als daß man ihn allein auf profitorientiertes Handeln beschränken könnte.


Ganz in diesem Sinne spricht Volker Köditz von "enterprising attitudes": ihm geht es um neue, veränderte Einstellungen junger Menschen. Über den Inhalt dieser Einstellungen ist man sich weitgehend einig. Begriffe wie (Eigen)Initiative, Selbständigkeit, Teamgeist, Tatkraft, Verantwortungsbewußtsein, Unternehmensgeist, Kreativität und fachliche Kompetenz kehren in allen Reden und Schriften zum Thema wieder. Tätiges Lernen für das Leben ist gefordert. Mit den "enterprises" öffnet sich die Schule in ihr Umfeld. So plant "Mc School" im September dieses Jahres "Markttage", zu denen auch Gäste von außerhalb eingeladen werden sollen: Schüler und Schulleiter Dresdner Schulen; Vertreter der vier Partner-Firmen; Vertreter der Presse und der Öffentlichkeit; bewährte Helfer und - last but not least - potentielle Sponsoren. Vielleicht gelingt es, auch das Wohngebiet einzubeziehen ... Das vorgesehene Programm geht über eine Präsentation des Kiosks hinaus. "Marktschreier" werden gesucht (sie werden im Deutschunterricht getestet!); ein Flohmarkt ist denkbar ... Das alles übersteigt natürlich die Kräfte von "Mc School". Es kann nur in Angriff genommen werden, weil die Schulleitung ihre Unterstützung zugesagt hat. Im Zusammenhang mit diesen "Markttagen" zeigt sich auch eine veränderte Denkweise im Lehrerkollegium. Es wurde ein Vorbereitungsstab gebildet, in dem 80 % der Lehrer mitarbeiten.


Die Schülerunternehmen schlagen eine Brücke zwischen Schulleben und Berufsleben: Wer nach Klasse 10 ausscheidet, erhält ein Zertifikat, das seine Mitarbeit bestätigt und Teil der Bewerbungsunterlagen wird. Das kann mehr aussagen als ein guter Zensurendurchschnitt.


Liest man, was andernorts bereits erprobt wurde oder derzeit abläuft, dann lassen sich ein paar Besonderheiten des sächsischen Modellversuchs ausmachen. Mit einiger Berechtigung kann man von einer eigenen Variante sprechen: Das Beispiel "Mc School" zeigt, daß man manches anders macht als andere.


Die erste Besonderheit besteht in der ausschließlichen Konzentration auf Mittelschulen. Das schafft für alle Beteiligten eine vergleichbare Ausgangssituation: Überall handelt es sich um 10- bis 16jährige Schüler, die nach dem Schulabschluß einen Beruf erlernen wollen. Es handelt sich um Schüler, die sich bereits ab Klasse 7 für ein Bildungsprofil entscheiden können, das ihren späteren Berufsvorstellungen entgegenkommt. Es handelt sich freilich auch um Schüler, die - mehr als andere - Schwierigkeiten mit der Motivation für das schulische Lernen haben: Viele Schüler der Mittelschulen gehen nur deshalb zur Schule, weil sie eben müssen. Sie kennen die Lehrstellenmisere; ihre Aussichten sind gering; Bei manch einem läßt in den letzten beiden Schuljahren die Motivation nach und diese Schulmüdigkeit begünstigt Verweigerungshaltungen. Die schulmeisterliche Beschwörung, daß man zum eigenen Besten ("für das Leben"!) lerne, findet da wenig Widerhall. Nun macht die Schule ein Angebot, wobei klar ist, daß damit kein Rezept gegen die Jugendarbeitslosigkeit angeboten wird. Volker Köditz schreibt:


"Erziehung zur Eigeninitiative kann nur eine komplementäre Teilstrategie sein, mittels derer das Potential selbständiger Beschäftigungsformen noch stärker als bisher ausgeschöpft wird". Hoffentlich. Für die Schüler ist es etwas Neues. Etwas nie da gewesenes wird geboten. Es ist durchaus kein Widerspruch, daß der Wunsch, mit dem 'neuen Besen' zu kehren, von Schule zu Schule sehr unterschiedlich ist. Es braucht einen kräftigen Funken, damit die Initialzündung zustande kommt. Wir sind der einzige Betrieb, der Mitarbeiter s u c h t ..., sagte ein Mädchen in Bautzen. Man muß sich etwas einfallen lassen. - Es bleibt das Fazit: Die Konzentration des Modellversuchs ausschließlich auf Mittelschulen war richtig und gut.


Die zweite Besonderheit erwächst aus der sächsischen Entscheidung, Schülerunternehmen nicht auf Zeit, sondern als festen Bestandteil des Schulalltags zu etablieren. Es gibt auch andere Modelle. Nicht nur die ursprünglichen englischen "Minienterprises" waren zeitlich begrenzte Projekte, die nach 10 bis 12 Wochen abgeschlossen wurden, auch die Projekte von "Young Enterprise Europe" reichen nur über ein Schuljahr. Sie folgen einer grundsätzlich anderen Konzeption. "Mc School" ist nicht befristet. Das hat weitreichende, durchaus positive Folgen.


Ein Mittelschülerleben währt sechs Jahre; es beginnt mit dem Eintritt in die 5. und schließt mit dem Abschluß aus der 10. Klasse. Laut Satzung kann jeder neue Schüler Anteilseigner werden; aber erst mit Eintritt in die 7. Klasse darf er im Projekt mitarbeiten. Die anderen sind zu klein, sagt Claudia König von "Mc School". In der Praxis waren fast alle Mitarbeiter der neuegegründeten Unternehmen Schüler der 9. Klasse, die im Herbst 1995 in die 10. Klasse kamen und nun ausscheiden. Es vollzieht sich also bereits nach einem Jahr ein Generationswechsel! Darauf waren die einzelnen Unternehmungen sehr unterschiedlich vorbereitet: "Mc School" hatte keine Schwierigkeiten. Geschäftsführerin Dorit hatte in ihrem Stellvertreter Daniel einen Nachfolger (derzeit in der 8. Klasse), der dieFirma bruchlos weiterführen wird. An anderen Schulen gab es wesentlich größere Schwierigkeiten.


Die Schülerfirmen stehen vor Personalfragen, die einer 'richtigen' Firma fremd sind. Personelle Kontinuität ist dort die Regel. In der Schule wird sie die Ausnahme bleiben, denn nur theoretisch kann sich ein Vorstand überwiegend aus Schülern der 7. Klasse rekrutieren, die ihre Aufgaben 3 oder gar 4 Jahre lang wahrnehmen können. Wenn man bedenkt, daß selbst die jetzt ausscheidenden Geschäftsführer erst 16 Jahre alt sind, dann läßt sich ermessen, wie früh die Vorstandsmitglieder Selbständigkeit und Verantwortung beweisenmüssen! Übereinstimmend wird ihnen bestätigt, daß sie in ihrer Funktion gewachsen sind. Ihr Auftreten ist selbstbewußter geworden; sie wissen sich zu artikulieren und parieren die Fragen der Versammlung. Aber nicht nur das: Sie haben gelernt, Führungsaufgaben zu übernehmen. Jeder weiß, wie schwer es ist, andere einzubeziehen und Aufgaben zu verteilen. Es ist viel leichter, es selbst zu machen! Der überlastete 'Einzeltäter', der in die Kritik gerät, weil er alles allein macht und dabei immer wieder etwas vergißt, gehört zum Erscheinungsbild fast aller Schülerfirmen. Mancher hält der einsetzenden Kritik nicht stand; er reagiert wie einst der sächsische König: Macht euern Dreck alleene! Die meisten aber stecken den Rüffel weg und ändern ihre Arbeitsmethode. So entsteht gemeinschaftliches Handeln (neudeutsch auch als Teamwork bezeichnet).


Für alle fünf Schülerfirmen bedeutet der Abschluß des ersten Geschäftsjahres auch den ersten Stabwechsel. Daß die Gründergeneration gelernt hat, Verantwortung, Wissen und Erfahrung an andere, jüngere Mitschüler weiterzugeben, gehört zu den großen Leistungen des 'sächsischen Modells'. In mehreren Schulen wurden die scheidenden Vorstände mit Blumen verabschiedet. Wie zäh sind solche Wachablösungen im politischen Leben... Dieter Stöcklein, der den sächsischen Modellversuch bei einer Tagung in Hessen und kürzlich auf einer Konferenz in Malta vertreten hat, stellt fest, daß die gesammelten Erfahrungen dem Vergleich mit anderen durchaus standhalten. Es geht nicht um die defensive Feststellung, daß die andern 'auch mit Wasser kochen'; es geht um den eigenen Beitrag!


Die dritte Besonderheit ergibt sich zwingend aus der zweiten. "Mc School" ist klassenstufenübergreifend. Der Vorstand setzt sich aus Schülern verschiedener Klassen und verschiedener Klassenstufen zusammen. Man kennt sich nicht aus der Klasse, man lernt sich im Unternehmen kennen. Es gibt auch andere Konzeptionen, dort nutzt man den Klassenverband als konstituierendes Element für die Firma. Die Verbindung von unterrichtlicher und außerunterrichtlicher Arbeit ist damit sicher erleichtert. Ich halte das sächsische Modell dennoch für überzeugender, eben weil durch die Schülerfirma ein neues 'Team' entsteht, in dem die innere Ordnung der Schulklassen außer Kraft gesetzt ist. Das neue Bewährungsfeld leitet sich nicht aus dem alten, längstvertrauten ab. Bei "Mc School" gelten andere Regeln als in der 9a oder 10b. Eine neue Gemeinschaft entsteht, und das trifft genau den Sinn des Modellversuchs: Soziales Lernen und demokratisches Handeln sind gefordert.


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Ewald Terhart, Professor für Sozialpädagogik an der Universität Lüneburg, hat in einem gescheiten Aufsatz darauf hingewiesen, daß im "Lernziel Selbständigkeit" ein immanenter Widerspruch liegt:


Wie kann man von außen jemand so anstoßen, daß er zur Selbständigkeit befähigt wird? Wie kann man jemanden zur Autonomie "führen" wollen? Ist eine Erziehung zur Selbständigkeit nicht notwendigerweise entweder zu erfolgreich oder aber wirkungslos?


Die theoretische Fragestellung hat für die Schülerunternehmen weitreichende praktische Bedeutung. Diese Unternehmungen sind keine wildwachsenden Sträucher, die man allenfalls beschneidet, wenn sie über den (Schul)Zaun hinwegstreben. Sie sind - um im Bilde zu bleiben - sorgfältig gezogene Kulturpflanzen. Aber sie sollen die Natürlichkeit, den Duft! der Wildpflanzen bewahren. Wie steht's da mit der Selbständigkeit der Beteiligten?


"Mc School" ist wie eine richtige Aktiengesellschaft organisiert. Das Unternehmen gibt Anteilscheine aus; es hat Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung als leitende Organe; es erstellt eine richtige Bilanz und wird seinen Aktionären künftig eine Dividende zahlen. Innerhalb des abgesteckten Rahmens agieren die Schüler selbständig und weitgehend eigenverantwortlich. Die Abläufe sind weitgehend realistisch.


Aber natürlich bleibt das Ganze ein pädagogisches Projekt, für das bestimmte Regeln gelten. Das beginnt beim Geld. 500 Mark Eigenkapital stehen über 12 000 Mark gegenüber, die die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung bereits im ersten Jahr für die Grundausstattung zur Verfügung gestellt hat. Davon wurden ein Computer mit Drucker, eine Registrierkasse, Möbel und Einrichtungsgegenstände gekauft. Wichtig für das Selbstverständnis der Firmenmitarbeiter ist es, daß mit diesem Geld nur ein Teil der Ausstattung finanziert wurde. Man hat sich selbst bemüht!
Mikrowelle von Bauknecht gesponsort bekommen
Spüle, Gefriertruhe, Teil des Geschirrs alles aus privatem Gebrauch.


So steht es im Rechenschaftsbericht. - Das Aktienkapital ist limitiert. die Schüler selbst haben entschieden, daß niemand für mehr als 15 Mark Anteile erwerben konnte, schon damit war einer Beteiligung aus Gewinnsucht ein Riegel vorgeschoben. Probleme entstanden immer dann, wenn das simulierte Unternehmen auf die geschäftliche Realität traf. Dorit Fischer schreibt:


Da wir eine Aktiengesellschaft sind und nun Geld von unserem Aktienverkauf hatten, konnte dies ja nicht lange irgendwo liegen. Also begaben sich Herr Stöcklein und Anja Böhme (die Stellvertreterin von MC SCHOOL) zur Bank. Als die Zwei nun dem Herrn von der "Dresdner Sparkasse" am Wasaplatz ihr Anliegen mitteilten, war er überrascht. Wir brauchten jedoch für dieses Konto zwei Unterschriftsberechtigte aus Sicherheitsgründen und zum Geld ein- und auszahlen. Damit kamen die ersten Komplikationen: Da Anja noch nicht volljährig ist, darf sie allein nicht unterschreiben. Deshalb mußten Anjas Eltern um Hilfe gebeten werden. Sie wurden genauestens von allen Gefahren und Risiken in Kenntnis gesetzt. Anschließend mußten sie für Anja bürgen, daß sie mit dem Geld gewissenhaft und sicher umgehen wird. Denn wenn durch Anjas Verschulden Geld abhanden kommt, werden ihre Eltern zur Haftung herangezogen. - Erst dann konnte das Konto eröffnet werden.


Der Bericht schildert sehr anschaulich, welche - unerwarteten - Schwierigkeiten sich auftun. Das Beispiel steht für viele. Mit den Schülerfirmen entsteht eine Fülle von Rechtsfragen, auf die es derzeit keine verbindlichen Antworten gibt. Vorbildlich ist im geschilderten Fall die Hilfestellung der Erwachsenen: Der Projektlehrer geht mit der Finanzfrau zur Bank (über seine "Gefahren und Risiken" wird in Dorits Bericht nicht gesprochen: der Lehrer gehört dazu!); gemeinsam erfahren sie, daß der Selbständigkeit Grenzen gesetzt sind; dann aber treten Anjas Eltern auf den Plan und leisten die geforderte Bürgschaft. Schule und Elternhaus ergänzen einander.


Die Projektleiter tragen die größte Verantwortung. Fachliche Kompetenz, pädagogische Erfahrung und jene Begeisterungsfähigkeit, die sich gegenüber dem Schulalltag zu behaupten weiß, sind unabdingbare Voraussetzungen. Je Schule gibt es 2 - 4 Projektlehrer; ihre Arbeit wird mit 1 - 9 Abminderungsstunden pro Woche anerkannt; für fünf Schulen stehen insgesamt 2 Stellen zur Verteilung. In der 21. Mittelschule unterstützt Frau Gläser die Finanzabteilung (3 Abminderungsstunden), Herr Pöll kümmert sich um den Einkauf (2 Stunden), und Herrn Stöcklein obliegt die Gesamtleitung des Projekts, dazu gehören auch Werbung und außerschulische Kontakte (5 Stunden). Das ist kein materieller Anreiz, der die Tätigkeit zum lohnenden Job macht. Nicht nur die Schüler bringen ihre Freizeit in die Firma ein.


Für die jungen Unternehmer sind die Projektlehrer Ratgeber und Partner; gegenüber den Schulleitungen tragen sie die Verantwortung für die ordnungsgemäße Durchführung des Projekts; die - zumeist abwartenden - Kollegen wollen von ihnen überzeugt werden, daß das Ganze mehr als eine kurzlebige Kampagne ist (man hat viel erlebt!); die Eltern vertrauen ihnen; und Frau Dr. Finke von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung sieht in ihnenverläßliche Mitstreiter, ohne die nichts läuft ... Ich habe Projektlehrer in unterschiedlichen Situationen erlebt: Siesind so verschieden wie alle anderen Lehrer auch. Aufschlußreich war ihre Stellung und ihr Auftreten in denJahreshauptversammlungen. Es gab Versammlungen, da saßen die Lehrer mit am Vorstandstisch - gleichsam als Minister ohne Portefeuille. Es gab den Fall, da wurde die Jahresbilanz vom Projektlehrer (= dem Wirtschaftslehrer) vorgetragen. Nur er hatte den Überblick. Es gab aber auch Versammlungen, da saß der Projektlehrer still unter den anderen Teilnehmern, einer unter vielen, der Geschäftsführer gab denRechenschaftsbericht, als sei das seine normale Tätigkeit, die einzelnen Vorstandsmitglieder bzw. Abteilungsleiter ergänzten zu ihren Verantwortungsbereichen (in einem Falle war die Jahresbilanz für alle sichtbar an der Stirnwand aufgehängt), anschließend wurde der neue Vorstand gewählt - alles ohne Zutun von außen. Erst in der Diskussion kamen auch die Lehrer zu Wort, auch hier interpares, man spürte: Alles Nötige war vorher besprochen. Die Mitarbeiter des Unternehmens waren zur Selbständigkeit erzogen. So war es bei "Mc School". Dorit Fleischer stand vor der Versammlung, vor sich nur ein Blatt mit Stichworten. Sie war sich ihrer Sache sicher.


Auch Projektlehrer müssen auftanken. Da sie stets die Gebenden sein sollen, müssen sie Wissen und Erfahrungen von anderen aufnehmen. Dazu dienten im abgelaufenen Geschäftsjahr regelmäßige Treffen in jeweils einer Projekt - Schule, Weiterbildungsveranstaltungen und intensive Kontakte mit der Projektleiterin. Nicht die theoretische Unterweisung steht obenan, sondern der Erfahrungsaustausch. Man kennt sich inzwischen; man kann sich aufeinander verlassen!


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Der Name "Mc School" wurde von Schülern geprägt. Englisch ist 'in' (außerdem ist es die Sprache des big business), und das vorangestellte 'mäck' assoziiert ein gutbelegtes Frühstücksbrötchen. Aber gerade da liegt das Problem. "Mc School" muß seinen Namen ändern; wenn dieser Beitrag gedruckt vorliegt, wird die Gesellschaft bereits anders heißen. Die Begründung klingt wie ein Schottenwitz.


"Mc Donald's ist durch einen Zeitungsbeitrag auf "Mc School" aufmerksam geworden; daraufhin hat Mc Donald's an "Mc School" geschrieben, hat dargelegt, daß nur sie einen Rechtsanspruch auf das em-ce haben und daß sich "Mc School", bitte sehr, etwas anderes einfallen lassen soll.


So einfallsreich die Benutzung der beiden Buchstaben "Mc" vor dem Wort "school" auch ist, – bedauerlicherweise sind diese beiden Buchstaben, gleichgültig, ob groß oder klein geschrieben, mit einem "a" oder "ä" dazwischen oder vor bzw. hinter einem anderen Wort stehend, auf der sogenannten Markenrolle des Deutschen Patentamtes in München (...) eingetragen.


Das hat Folgen! Denn


wir sind durch die Gerichte dazu angehalten und verpflichtet, wie übrigens alle anderen Unternehmen auch, die mit ihrem Namen und den sogenannten "Logos" werben, immer darauf zu achten, daß niemand unsere Zeichen benützt oder nachahmt und damit den Eindruck erweckt, sein Unternehmen stünde mit unserem in irgendeiner Verbindung.


Natürlich könnte man sich vorstellen, daß der Fast – food - Riese seinem Namensverwandten mit einem Lächeln auf die Schulter klopft und sich (mit einem kleinen Scheck?) für die originelle Werbung (man würde wohl sagen: promotion) bedankt. Aber Big Mac ist humorlos; die Rechtslage ist eindeutig; "Mc School" muß nachgeben. Man braucht einen anderen Namen, man muß anschließend ein neues Logo entwickeln, neue Materialien drucken - es ist ein teurer Abschied. Vielleicht wird Coca Cola zu Hilfe kommen. Eiskalt. Man würde einen Getränkeautomaten aufstellen und hätte gegen "Coke in school" nichts einzuwenden.


So absurd der ganze Vorgang erscheint: Er kann das Selbstgefühl der Dresdner stärken. "Mc School" wird als ernstzunehmende Konkurrenz angesehen, und der erzwungene Namenswechsel lehrt zumindest, daß die Winde im Geschäftsleben kalt und rauh sind.


PS: Seit dem 11. April 1996 heißt "Mc School" - "Coke and School". Naja.


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Bei meinem letzten Dresdner Besuch annoncierte "Mc School" mit Kreide an der großen Wandtafel: Morgen, den 29., gibt es bei Mad-School (kein Tippfehler!) Würstchen mit Brötchen. Ist das nicht super? Jemand hat das Wort 'super' verändert. Jetzt heißt es 'suppe'. Kein Kommentar.